Das Vaping in England gilt weltweit als Vorreiter einer progressiven Politik. Während in Deutschland der geplante Aromenbann für kontroverse Debatten sorgt, geht Großbritannien einen radikal anderen Weg: E-Zigaretten werden dort aktiv als Mittel zur Rauchentwöhnung gefördert – vom nationalen Gesundheitssystem NHS bis zu Vape Shops, die direkt in Krankenhäusern eröffnen.
In diesem Artikel werfen wir einen ausführlichen Blick auf die englische Vaping-Kultur und zeigen, was Deutschland – gerade mit Blick auf das geplante Aromaverbot E-Zigaretten 2026 – davon lernen könnte.
Auf einen Blick: Vaping in England
- Haltung: E-Zigaretten gelten laut Public Health England als rund 95 % weniger schädlich als Tabak.
- NHS Swap to Stop: Bis zu 1 Million kostenlose Vape-Kits für Raucher – finanziert mit 45 Mio. Pfund.
- Einweg-Verbot: Seit 1. Juni 2025 sind Disposables verboten – 90 % der Dampfer nutzen jetzt wiederverwendbare Geräte.
- Neue Steuer: Ab 1. Oktober 2026 gilt eine Vaping Products Duty von 2,20 £ pro 10 ml Liquid.
- Historischer Wendepunkt: 2024 dampften in UK erstmals mehr Erwachsene als rauchten.
Public Health England: „95 % weniger schädlich als Tabak“
Der Grundstein für Englands liberale Haltung beim Vaping in England wurde bereits 2015 gelegt. Damals veröffentlichte Public Health England (PHE) einen vielbeachteten Evidence Review. Das Ergebnis: E-Zigaretten seien rund 95 % weniger schädlich als herkömmliche Tabakzigaretten. Diese Einschätzung stammt aus einer Expertenbewertung unter Leitung der Professoren Ann McNeill (King’s College London) und Peter Hajek (Queen Mary University London).
Die 95-%-Aussage ist nicht unumstritten. Kritiker – unter anderem das Fachjournal The Lancet – bemängelten die schmale Datenbasis. Dennoch hielt PHE an der Einschätzung fest und bekräftigte sie in den Folgeberichten 2018 und 2022.
Entscheidend ist die Grundhaltung: England betrachtet E-Zigaretten primär als Werkzeug zur Schadensminimierung – und nicht als Bedrohung. Dieser pragmatische Ansatz unterscheidet das Land fundamental von der restriktiveren Linie in den USA, Australien oder Teilen der EU.
Gesetzliche Lage beim Vaping in England: TPD, Einweg-Verbot & neue Steuern
Auch England reguliert den Vape-Markt – allerdings mit dem Ziel, Dampfen für erwachsene Raucher zugänglich zu halten und gleichzeitig den Jugendschutz zu stärken.
Tobacco Products Directive (TRPR) nach dem Brexit
Nach dem Brexit hat Großbritannien die wesentlichen EU-TPD-Regeln unter dem Namen TRPR beibehalten. Für Dampfer bedeutet das vertraute Grenzwerte: maximal 20 mg/ml Nikotin, maximal 2 ml Tankkapazität und maximal 10 ml Flaschengröße. Alle Produkte müssen bei der Arzneimittelbehörde MHRA registriert sein.
Einweg-Vape-Verbot seit Juni 2025
Am 1. Juni 2025 trat ein flächendeckendes Verbot von Einweg-E-Zigaretten in Kraft. Vor dem Verbot wurden laut DEFRA rund fünf Millionen Einweg-Vapes pro Woche weggeworfen – inklusive Lithium-Batterien und Plastikgehäusen.
Die Auswirkungen waren sofort spürbar. In der ersten Woche brachen die Umsätze laut Action on Smoking and Health (ASH) um mehr als fünf Millionen Pfund ein. Marken wie Elf Bar, Lost Mary und SKE brachten innerhalb kürzester Zeit wiederaufladbare Versionen ihrer populärsten Modelle auf den Markt.
Aktuelle Daten zeigen aber auch Schattenseiten: Laut einer Opinium-Umfrage (Dezember 2025) gaben 9 % der täglichen Dampfer an, trotzdem verbotene Einweg-Produkte gekauft zu haben. 2025 wurden über eine Million illegale Vape-Produkte beschlagnahmt.
Tobacco and Vapes Bill: Das umfassendste Gesetzespaket
Der Tobacco and Vapes Bill durchläuft seit November 2024 das Parlament. Das Gesetz verfolgt die Vision einer rauchfreien Generation. Zu den Maßnahmen gehören:
- Ein umfassendes Werbeverbot für Vapes
- Ein neues Lizenzierungssystem für den Einzelhandel
- Sofortbußgelder von 200 £ bei Verkauf an Minderjährige
- Ermächtigung zur Regulierung von Aromen, Verpackungen und Produkttypen
- Verbot des Tabakverkaufs an Personen, die am oder nach dem 1. Januar 2009 geboren wurden – ab 1. Januar 2027
Vaping Products Duty ab Oktober 2026
Ab dem 1. Oktober 2026 wird in Großbritannien eine neue Verbrauchsteuer auf E-Liquids erhoben: 2,20 Pfund pro 10 ml – unabhängig vom Nikotingehalt. Gleichzeitig wird die Tabaksteuer um einen entsprechenden Betrag angehoben, damit der finanzielle Anreiz zum Umstieg erhalten bleibt.
NHS Swap to Stop: Kostenlose Vape-Kits vom Staat
Was das Vaping in England fundamental von Deutschland unterscheidet: Das staatliche Gesundheitssystem NHS verteilt seit 2024 aktiv kostenlose E-Zigaretten-Starter-Kits an Raucher – im Rahmen des Swap to Stop-Programms.
Es sieht vor, dass bis zu eine Million Raucher in England ein kostenloses Vape-Kit samt Verhaltensberatung erhalten. Finanziert wird das Ganze mit 45 Millionen Pfund über zwei Jahre.
Regionale Umsetzung von Swap to Stop
- Devon bietet einen vollständigen 12-Wochen-Behandlungspfad mit Starter-Kits und Liquid.
- Yorkshire stellt kostenlose Nikotinersatztherapie oder Vapes für bis zu zwölf Wochen bereit.
- Greater Manchester kombiniert kostenlose Produkte mit persönlicher Beratung.
Sogar schwangere Raucherinnen erhalten im Rahmen des Programms Vape-Gutscheine als finanziellen Anreiz zum Umstieg.
Die Zahlen belegen den Erfolg
Laut NHS-Daten haben Aufhörversuche mit E-Zigaretten die höchste Erfolgsquote – rund 65 %, verglichen mit knapp 59 % bei anderen Methoden. Eine Studie der Brunel University hat errechnet, dass der Umstieg von 50 % aller Raucher auf E-Zigaretten dem NHS jährlich über 500 Millionen Pfund einsparen könnte.
Vape Shops in Krankenhäusern: Ein Novum mit Signalwirkung
Bereits 2019 sorgte eine Nachricht für internationale Schlagzeilen: In zwei NHS-Krankenhäusern in den West Midlands eröffneten Vape Shops direkt in den Eingangshallen. Das Sandwell General Hospital und das City Hospital in Birmingham gingen damit einen Schritt, der weltweit für Aufsehen sorgte.
Auf dem gesamten Gelände gilt ein striktes Rauchverbot – wer dennoch beim Rauchen erwischt wird, zahlt 50 Pfund Strafe. Die ehemaligen Rauchunterstände wurden in Vaping-Bereiche umgewandelt.
Der damalige medizinische Direktor Dr. David Carruthers brachte die Philosophie auf den Punkt: Das Rauchen töte, und angesichts dieser simplen Wahrheit könne man es nicht länger auf dem Krankenhausgelände dulden. Stattdessen biete man mit dem Vape Shop eine weniger schädliche Alternative direkt vor Ort an.
Public Health England hatte zuvor alle NHS-Trusts aufgefordert, rauchfrei zu werden, und E-Zigaretten dabei als Hilfsmittel empfohlen.
Vaping in England: Zahlen, Fakten & Marktgröße
Marktgröße und Nutzerzahlen
Der britische Vape-Markt erreichte 2025 ein Volumen von rund 2,5 Milliarden Pfund und bedient etwa 5,5 Millionen erwachsene Dampfer. Ein historischer Wendepunkt wurde 2024 erreicht: Erstmals in der Geschichte dampften in Großbritannien mehr Erwachsene als rauchten – geschätzte 5,4 Millionen Dampfer standen rund 4,9 Millionen Rauchern gegenüber.
Nutzerprofil und Geschmacksvorlieben
Rund 55 % der erwachsenen Dampfer sind ehemalige Raucher. Die beliebtesten Geschmacksrichtungen:
Seit dem Einweg-Verbot haben 90 % der regelmäßigen Dampfer auf wiederverwendbare Geräte umgestellt – ein massiver Wandel in Richtung Nachhaltigkeit.
Jugend-Vaping: Die Kehrseite der Medaille
Auch England kämpft mit dem Thema Jugend-Vaping. Laut ASH haben 2025 etwa 20 % der 11- bis 17-Jährigen mindestens einmal gedampft, rund 7 % dampfen regelmäßig. Bemerkenswert: 63 % der befragten jungen Menschen glauben inzwischen, dass Dampfen genauso schädlich oder schädlicher als Rauchen sei.
Was Deutschland vom Vaping in England lernen kann
Der Vergleich zwischen deutscher und englischer Vaping-Politik könnte kaum deutlicher ausfallen. Während in England E-Zigaretten vom Staat als Mittel gegen das Rauchen beworben werden, steht in Deutschland ein Aromenbann im Raum.
Englands Ansatz basiert auf einer klaren Priorisierung: Harm Reduction UK für erwachsene Raucher hat Vorrang, flankiert von gezielten Maßnahmen gegen Jugend-Vaping und den Schwarzmarkt. Die Ergebnisse des Vaping in England sprechen eine deutliche Sprache – die Raucherquote befindet sich auf einem historischen Tiefstand.
Das heißt nicht, dass das englische System perfekt wäre. Die Probleme mit illegalen Produkten zeigen, dass auch strenge Regulierung ihre Grenzen hat. Dennoch bleibt die Botschaft klar: Wer raucht, sollte umsteigen. Wer nicht raucht, sollte weder rauchen noch dampfen. Für Einsteiger lohnt sich ein Blick auf unsere Pod-Systeme für den Umstieg.
Fazit: Unser Blick auf das Vaping in England
Das Vaping in England zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Wissenschaft, Politik und Gesundheitswesen an einem Strang ziehen. Vape Shops in Krankenhäusern, kostenlose Starter-Kits vom Staat und eine Gesundheitsbehörde, die aktiv für den Umstieg wirbt – das alles wäre in Deutschland derzeit undenkbar.
Für uns als Dampfer-Community ist der Blick über den Ärmelkanal ermutigend: Er zeigt, dass eine evidenzbasierte, pragmatische Regulierung möglich ist, die sowohl Gesundheitsschutz als auch die Interessen erwachsener Dampfer berücksichtigt.
Du möchtest selbst den Umstieg wagen oder suchst nach dem passenden Pod-System oder Nikotinsalz-Liquid? Dann schau dich in unserem E6-Shop um – wir beraten dich gerne!
Quellen: Public Health England Evidence Reviews (2015, 2018, 2022), GOV.UK Tobacco and Vapes Bill, ASH Smokefree GB Youth Survey 2025, HMRC Vaping Products Duty Guidance, Smoking Toolkit Study, Opinium Survey 2025.